Mercedes-Benz SLS AMG GT
6,2-Liter V8-Saugmotor mit Trockensumpfschmierung — Weiterentwicklung des M156 mit geschmiedeter Kurbelwelle, leichteren Kolben und handgeschliffenem Ansaugkrümmer. 571 PS bei 6.800 U/min ohne jede Aufladung. Der Sound ist purer Musclecar-V8: bei 3.000 U/min ein tiefes Grollen, ab 5.000 U/min ein Schrei der an Le Mans erinnert. Das Ansprechverhalten ist unmittelbar — kein Turboloch, keine Verzögerung, jeder Gasbefehl wird sofort umgesetzt. Technisch deutlich reifer als der M156: die kritischen Kopfschrauben wurden ab Werk verbessert, der Trockensumpf eliminiert Ölmangel in Kurven. Die Stößel bleiben als M156-Erbe das größte Restrisiko — thermische Überlastung der vorderen Zylinder bei aggressivem Fahrstil. Ölwechsel alle 10.000 km mit 10W-60 ist Pflicht, keine Diskussion. Service-A alle 15.000 km, Service-B alle 30.000 km. Eines der zuverlässigsten AMG-Triebwerke überhaupt — die meisten Probleme kommen vom Stehenlassen, nicht vom Fahren.
SLS GT — 591 PS, härter abgestimmt, noch direkter
Der GT ist der SLS für alle, denen das Original zu komfortabel war. 20 PS mehr, strafferes Fahrwerk, direktere Lenkung. Auf der Rennstrecke spürbar agiler als der Standard-SLS. Dafür im Alltag weniger komfortabel — jede Bodenwelle kommt durch. Wer hauptsächlich Track-Days fährt, nimmt den GT. Wer auch Langstrecke will, den normalen SLS.
Motor-Schwachstellen 9
Die hydraulischen Ventilstößel der vorderen Zylinder (1-4) überhitzen bei aggressivem Fahrstil und können im Zylinderkopf festfressen. SLS Black Series hatte modifizierte Stößel als Werks-Fix. Symptom: metallisches Tickern nach Heißfahrt, im schlimmsten Fall Ventilschaden.
Symptome: Metallisches Tickern/Klackern nach Heißfahrt oder Rennstreckeneinsatz, zunächst nur kalt hörbar, dann permanent. Leistungsverlust wenn Ventil nicht mehr korrekt schließt.
Aus dem M156 übernommenes Problem: die Zylinderkopfschrauben korrodieren durch Kühlmittelkontakt und können im schlimmsten Fall brechen. Mercedes hat 2010 auf verbesserte Schrauben umgestellt. Beim SLS (ab 2010) ab Werk verbessert — betrifft nur allererste Produktionscharge 2010.
Symptome: Kühlwasserverlust ohne sichtbares Leck, weißer Rauch aus dem Auspuff, Mischung von Öl und Kühlwasser, Überhitzungswarnung.
Bei dauerhafter Hochdrehzahl-Nutzung können vereinzelt Ventilfedern brechen — Folgeschaden bis zum Motorschaden. Extrem selten beim M159 (seltener als beim M156), aber bei Rennstreckenautos mit >100.000 km als Restrisiko bekannt.
Symptome: Plötzlicher metallischer Schlag, sofortiger Leistungsverlust, Motorleuchte. Bei gebrochenem Ventil: Motor läuft extrem unrund oder gar nicht mehr.
Die Nockenwellenversteller verlieren mit der Zeit an Öldruck und rasseln beim Kaltstart für 2-5 Sekunden. Aus dem M156 bekanntes Problem, beim M159 seltener durch bessere Ölversorgung. Bei Dauerbetrieb ohne Reparatur: verschobene Steuerzeiten, Leistungsverlust.
Symptome: Rasseln/Kettensägen-Geräusch beim Kaltstart für 2-5 Sekunden, verschwindet nach Öldruckaufbau. Bei Verschlechterung: auch im Warmlauf hörbar, unrunder Leerlauf.
Der M159 verbraucht bei sportlichem Einsatz und hohen Öltemperaturen deutlich mehr Öl als im Normalbetrieb. Der Trockensumpf hat zwar großes Ölvolumen (9L), aber bei Track-Days kann der Verbrauch auf 1-1,5L/1000km steigen. 10W-60 ist Pflichtöl.
Symptome: Ölstandswarnung nach Rennstreckeneinsatz, bläulicher Abgasrauch bei hoher Last nach längerer Standzeit, Ölverbrauch >1L/1000km bei aggressivem Fahrstil.
Bei Dauerlast auf der Rennstrecke schaltet der M159 in den Notlauf wenn die Öltemperatur über 150°C steigt. Kein Defekt, sondern Schutzfunktion — aber auf Track-Days frustrierend. Ölkühler-Upgrade von Weistec oder RENNtech löst das Problem.
Symptome: Plötzlicher Leistungsabfall auf der Rennstrecke nach 3-5 schnellen Runden, Öltemperaturwarnung im Kombiinstrument, Motor begrenzt Drehzahl auf 4.500 U/min.
Die 8 Einzelzündspulen sind Verschleißteile und fallen ab 60.000 km vereinzelt aus. Günstiges Verschleißteil, aber bei Nichtbeachtung droht Katalysatorschaden durch unverbrannten Kraftstoff. Immer alle 8 gleichzeitig wechseln.
Symptome: Motorleuchte, Zündaussetzer einzelner Zylinder, leichtes Ruckeln bei Last, P0300-P0308 Fehlercodes.
Das Getrag 7-Gang-DCT zeigt bei niedrigen Geschwindigkeiten Schaltverzögerungen und ruckelt beim Rangieren. Software-Update (2012) verbessert das Problem deutlich. DCT-Getriebeöl alle 40.000 km wechseln. Getriebetausch bei Totalschaden kostet über 12.000 €.
Symptome: Ruckeln beim Anfahren und Rangieren, Schaltverzögerung von 1-2 Sekunden bei Gangwechsel im Stadtverkehr, gelegentliches Krachen beim schnellen Herunterschalten.
Die optionale Keramik-Verbundbremsanlage hält zwar deutlich länger als Stahlbremsen (60.000-100.000 km), kostet aber beim Austausch über 15.000 €. Stahlbremsscheiben als günstige Alternative möglich. Bei Track-Day-Nutzung deutlich schnellerer Verschleiß.
Symptome: Bremsscheiben-Verschleißanzeige, Quietschen bei niedrigen Temperaturen (normal bei Keramik), sichtbare Riefen und Absplitterungen an der Bremsscheibe.
Fahrzeug-Schwachstellen 6
Das Getrag-DCT verschleißt bei häufigem Stadtbetrieb und schleifendem Anfahren überdurchschnittlich schnell. Getriebeüberholung bei Mercedes ist sehr kostspielig.
Die optionale Carbon-Keramik-Bremsanlage kann schon nach 15.000–20.000 km verschlissen sein, insbesondere bei sportlicher Nutzung. Im Nassbereich gibt es verzögerte Bremsansprache mit anschließendem abruptem Griff.
Die Gasdruckdämpfer und Scharniere der Flügeltüren verlieren mit der Zeit an Kraft. Türen öffnen langsamer oder halten nicht mehr oben.
Die Aluminium-Querlenker an der Vorderachse zeigen frühzeitigen Buchsenverschleiß bei sportlicher Fahrweise. Poltern über Unebenheiten.
Die optionale Carbon-Keramik-Bremsanlage verschleißt bei häufigem Alltagsbetrieb mit kalten Bremsen überdurchschnittlich. Scheibenersatz ist extrem teuer.
Beim frühen SLS AMG wurde ein Verdrahtungsfehler an den Öldrucksensoren dokumentiert. Die Kabelführung ist nicht ausreichend ausgelegt.
Berichte & Tests
Der Supersportwagen zeigt als Sammlerfahrzeug mit geringen Laufleistungen sehr gute TÜV-Ergebnisse.