Ford Boss 302
Ford 5.0L Boss 302 Mustang S197 (2012-2013). 444 PS / 331 kW. Hochdrehender V8 mit Boss-spezifischen Nockenwellen. Sehr selten in Deutschland.
Boss 302 — Track Day
Der Boss 302 ist der fahrwerkstechnisch beste S197. Präziser als der Standard-GT, ein echtes Rennstrecken-Tool.
Motor-Schwachstellen 8
Der 5.0 Coyote Boss 302 ist für häufige Streckennutzung ausgelegt, verbraucht dabei aber erheblich mehr Öl. Bei Hochdrehzahlbetrieb steigt der Ölverbrauch auf über 1 Liter pro 1.000 km. Ford empfiehlt 5W50 Motoröl.
Symptome: Ölstand sinkt nach Streckennutzung deutlich, bläulicher Rauch bei hohen Drehzahlen
Auch der Boss 302 mit seinen Hochleistungs-Nockenwellen kann VCT-Versteller-Rasseln beim Kaltstart zeigen. Die Empfehlung, schwereres 5W50 Öl zu verwenden, verbessert die Situation.
Symptome: Rasseln beim Kaltstart-Leerlauf, klingt metallisch aus dem Steuertrieb
Bei stark modifizierten oder häufig auf der Strecke genutzten Boss 302 kann die Zylinderkopfdichtung versagen. Bei Serienzustand selten, bei Tuning ab ca. 450 PS erhöhtes Risiko.
Symptome: Kühlwasserverlust, weißer Auspuffrauch, milchiges Öl nach Streckennutzung
Der Coyote 5.0 V8 ab 2011 ist bekannt für Zylinderkopfdichtungsdefekte, besonders nach Überhitzungsereignissen. Motorübertemperatur durch Kühlkreisprobleme führt zu Verzug des Aluminiumkopfes.
Symptome: Weißer Rauch aus dem Auspuff; Ölstand steigt mit Kühlmittel vermischt (Mayonnaise-Effekt am Öldeckel); Kühlmittelverlust ohne sichtbare externe Undichtigkeit.
Das Getrag MT-82 zeigt vorzeitigen Synchronringverschleiß in Gang 1–2 und 3–4. Design-Schwäche bekannt, TSB-Maßnahmen von Ford für sportlichen Einsatz unzureichend.
Symptome: Knirschen beim Schalten 1→2 und 2→3; Schalten wird schwergängig; Getriebe springt aus dem Gang.
Der Boss 302 erreicht trotz erweitertem Ölkühler seine thermischen Grenzen bei intensivem Trackbetrieb. Die Serienkühlung ist für mehrstündige Renneinsätze ohne zusätzliche Kühlung nicht ausreichend.
Symptome: Temperaturwarnung nach mehreren Runden auf der Rennstrecke, Motorschutzabschaltung bei hohen Außentemperaturen.
Wie alle Coyote-Motoren zeigt der Boss 302 bei Rennstreckeneinsatz erhöhten Ölverbrauch durch überlastete PCV-Ventile. Hohe Querbeschleunigungen belasten das Kurbelgehäuse-Entlüftungssystem zusätzlich.
Symptome: Übermäßiger Ölverbrauch nach Trackdays, blaue Abgase, Öl in der Ansaugbrücke sichtbar.
Der Coyote Gen 1 (4951 ccm) nutzt Nikasil-ähnliche Zylinderbeschichtung ohne Laufbuchsen. Falsche Kolbenringspannung führt bei einem Teil der Motoren zu dauerhaft erhöhtem Ölverbrauch, der über die Einfahrzeit hinaus anhält.
Symptome: Ölverbrauch über 0,3 Liter pro 1.000 km nach der Einfahrzeit; leichter Blaurauch bei Lastwechsel; Ölnebel aus dem Entlüftungsschlauch.
Fahrzeug-Schwachstellen 6
Beim S197 (besonders V6 4.0L) können Thermostatgehäuse-Deckel reißen und Kühlwasser verlieren. Zudem sind undichte Kühlerschläuche und korrodierte Anschlüsse bei älteren Exemplaren häufig. Überhitzung droht ohne rechtzeitige Kontrolle.
Die serienmäßige Bremsenanlage des S197 ist für sportliche Fahrweise klar unterdimensioniert. Fahrzeuge ohne das optionale Brembo-Paket zeigen nach wenigen Vollbremsungen nachlassende Verzögerung (Fading).
Die Starrachse des S197 Mustang ist für Wheel-Hop-Probleme beim Beschleunigen und Poltergeräusche aus der Hinterachse bekannt. Weiche Buchsen, der Panhard-Stab und die Stabilisatorverbindungen verschleißen früh.
Der S197 Mustang kam nie offiziell nach Deutschland. US-Importfahrzeuge haben oft keinen ausreichenden Unterbodenkorrosionsschutz für europäisches Winterklima. Rahmen, Schraub-Verbindungen und Hohlräume rosten ohne Nachbehandlung stark.
Die Vorderachsgeometrie des S197 verändert sich durch Verschleiß an Dämpfern, Buchsen und Querlenker-Lagern. Bei europäischem Straßeneinsatz zeigen sich ungleichmäßige Reifenabnutzung und Spurhaltungsprobleme früher als bei US-Einsatz erwartet.
Hartplastik-Armaturen und Innenraum-Dämmmaterial des S197 sind für amerikanische Verhältnisse typisch, nach deutschen Standards aber auffällig. Klappern, Knarzen und Windgeräusche nehmen mit dem Alter deutlich zu.