Honda Civic Type R
1,6 Liter, 185 PS bei 8.200 U/min, Einzeldrosselklappen — handportiert ab Werk. VTEC-Umschaltung bei 5.800 U/min: darunter ein zahmer Alltagsmotor, darüber ein komplett anderes Gerät. Der Ansaugtrakt heult auf, die Leistungskurve knickt steil nach oben, und der B16B will bis zum Begrenzer gedreht werden. 136 PS pro Liter ohne Aufladung — International Engine of the Year-Material. Honda hat Seam-Welding und handportierte Kanäle in ein Serienauto gebracht: Motorsport-Fertigungsmethoden für 16.241 Exemplare. Unter 1.100 kg Leergewicht kommuniziert jede Bodenwelle direkt. Ölwechsel alle 5.000 km, VTEC-Öldruck bei hohem km-Stand prüfen lassen. Sammlerwerte von 40.000–90.000 USD machen den EK9 zum teuersten Civic aller Zeiten.
8.400 U/min in 1,6 Litern — Honda pur
Der B16B dreht anders als alles andere seiner Zeit. Bis 5.800 U/min ist es ein normaler Motor, dann öffnet VTEC und alles verändert sich. Das Aggregat schreit durch die hohen Register auf eine Art, die kein Turbolader je reproduzieren kann. Wer einmal diese Drehfreudigkeit erlebt hat, versteht warum der EK9 Kultstatus hat. Leicht, direkt, unmittelbar — kein Elektronikpuffer zwischen Gasfuß und Kurbelwelle.
Motor-Schwachstellen 9
Zahnriemenriss bei überschrittenen Wechselintervallen führt zu Totalschaden. Intervall 60.000 km, spätestens alle 5 Jahre. Motor hat keinen Freilauf — Riemenriss bedeutet Motorschaden.
Symptome: Startverzögerung, tickende Geräusche aus dem Motorraum, plötzliches Absterben
Ölpumpe kann bei Grenzdrehzahl über 8.000 U/min Kavitation zeigen. Öldruckverlust bei dauerhaftem Hochdrehzahl-Einsatz auf der Rennstrecke möglich. Betrifft vor allem modifizierte Fahrzeuge.
Symptome: Öldruckwarnleuchte bei hohen Drehzahlen, metallische Geräusche aus dem Motorblock bei Rennstreckenbetrieb
VTEC-Solenoid-Ausfall durch Ablagerungen bei zu langen Ölwechselintervallen. Motor schaltet nicht mehr in obere Nockenwellenprofile, P1259 Fehlercode. Fast immer Wartungsfehler.
Symptome: Kein VTEC-Einschalten bei ca. 5.800 U/min, Leistungsabfall im oberen Drehzahlbereich, MIL leuchtet mit P1259
3. Gang Synchronring verschleißt zuerst bei sportlichem Fahrstil. Mahlgeräusch beim Einlegen des 3. Gangs, besonders bei Hochdrehzahl-Rückschaltungen. Typisch für hochdrehende B-Aggregate die sportlich genutzt wurden.
Symptome: Mahlgeräusch oder Knirschen beim Einlegen des 3. Gangs, erschwertes Schalten bei warmem Getriebe
Ventilschaftdichtungen altern und verhärten ab ~150.000 km. Ölverbrauch von 0,5–1 Liter auf 1.000 km möglich. Typisches Symptom: blauer Rauch beim Gasgeben nach Schiebebetrieb. Reparatur erfordert Kopfausbau, bei Gelegenheit Ventilschaftdichtungen immer mitführen.
Symptome: Blauer Rauch beim Gasgeben nach Schubbetrieb, blauer Qualm beim Kaltstart, sinkender Ölstand ohne sichtbare äußere Leckage
Auslassnockenwelle zeigt Grübchenbildung an Kontaktflächen mit dem Rollenkipphebel. Typisch für B-Aggregate mit über 150.000 km und unregelmäßiger Ölpflege. Fortschreitend — Motoröl-Wechselintervall entscheidet über Beginn der Schädigung.
Symptome: Tickendes Ventilgeräusch besonders kalt, Leistungsabfall im oberen Drehzahlbereich, hörbares Klopfen aus dem Zylinderkopf
Nockenwellenstopfen und Ventildeckeldichtung werden bei älteren B-Aggregaten undicht. Öl sammelt sich im Zündkerzenbereich — sieht schlimmer aus als es ist, wird aber fälschlich als Kopfdichtungsschaden diagnostiziert.
Symptome: Ölgeruch im Motorraum, Öl in Zündkerzenschächten, sichtbare Leckage am Zylinderkopf hinten
Kupplungsnehmerzylinder anfällig für Verschleiß und Leckage. Ersatzteil günstig, aber Symptom deutet auf hydraulischen Kupplungsverlust hin. Frühzeitig wechseln verhindert Kupplungsausfälle.
Symptome: Kupplung greift nicht mehr vollständig, Kupplungspedal ohne Gegendruck, Getriebeöl unter dem Fahrzeug
Dichtungen der Heckleuchten altern aus und ermöglichen Wassereintritt in den Kofferraum. Stehendes Wasser fördert Bodenrost und kann Fahrzeugelektrik beschädigen.
Symptome: Feuchter Kofferraumboden, Geruch nach Schimmel im Innenraum, Feuchtigkeit an Ersatzradmulde
Fahrzeug-Schwachstellen 8
Die hinteren Radläufe und die Falz zwischen Kotflügel und Stoßfänger rosten bei JDM-Exemplaren fast flächendeckend. Der Rost sitzt nicht nur außen, sondern zieht sich durch die Innenarchen und teils in die Schweller. Kosmetische Schleifaktionen halten selten länger als ein bis zwei Jahre, korrektes Ausschneiden und Neuverschweißen ist der einzige dauerhafte Weg.
Die Schweller und speziell die Wagenheberaufnahmen sind bei JDM-Exemplaren ohne Hohlraumkonservierung stark gefährdet. Wer Hebebühne oder Rangierwagenheber ansetzt, merkt das oft erst wenn das Blech nachgibt. Bei schon einmal kollabierter Aufnahme sitzt der Rost meist großflächig im Schwellerinneren.
Wie bei allen Type R ist der 3. Synchronring der Schwachpunkt. Hohe Drehzahlen beim Hochschalten, fehlendes Zwischengas beim Runterschalten und das VTEC-typische Schaltverhalten nagen am Ring. Bei Kilometerleistungen jenseits der 100.000 kündigt sich der Verschleiß durch Kratzen beim schnellen Zug in den 3. Gang an.
Jeder EK9, der nicht bereits renoviert wurde, fährt auf original Gummibuchsen aus den späten 90ern. Quer- und Längslenker, Stabilisatorgummis, Querlenkerbuchsen - alles platt. Das Auto fühlt sich schwammig an, wandert auf der Autobahn und hat schlechte Spurtreue beim Anbremsen.
Der Heizungskühler im Armaturenträger beginnt bei älteren EKs zu lecken. Erkennbar an süßlichem Kühlmittelgeruch im Innenraum und feuchtem Beifahrerteppich. Der Tausch ist aufwendig, weil der halbe Armaturenträger raus muss.
Die roten Recaro-SR-Schalen mit Confetti-Bezug leiden unter typischem Einstiegsverschleiß an der äußeren Seitenwange. Schaum kollabiert, Stoff löst sich oder reißt an der Naht. Ersatzschaum ist verfügbar, passgenauer OEM-Bezug mittlerweile Sammlerware.
Das VTEC-Solenoid am Zylinderkopf hat ein kleines Ölsieb, das bei vernachlässigten Ölwechseln verschlammt. Folge: VTEC schaltet nicht mehr sauber oder gar nicht mehr um. Oft zusätzlich undichte Gummidichtung, die hart wird und eine Ölpest am Kopf verursacht.
Die JDM-Werkslackierung in Championship White ist dünn und oxidiert auf Dachkante, Motorhaube und Kofferraum stark. Dazu kommen Steinschlag-Roststellen an der Motorhaubenvorderkante. Eine Teillackierung löst das Problem nur kurzfristig, weil die umliegenden Flächen weiter nachdunkeln.