Mercedes-Benz AMG C 43
V8-Saugmotor in drei Hubraumstufen von 4,3 bis 5,5 Liter — Old-School-Charakter ohne Turboloch. Linearer Leistungsaufbau, tiefes Grollen ab 2.000 U/min das sich zu einem heiseren Brüllen ab 5.000 dreht. Das Drehmoment-Maximum liegt bei 3.000, darüber wird es zäh — dafür im Teillast samtig und erstaunlich genügsam. Achillesferse sind Dichtungen: hinterer Kurbelwellensimmerring praktisch bei allen ab 150.000 km fällig (Getriebeausbau nötig, 600–900 €), Ventildeckel und Ölfiltergehäuse siffen mit dem Alter. Alles günstige Teile. Einziger kritischer Punkt: der Gummidämpfer der Kurbelwellen-Riemenscheibe verhärtet mit dem Alter — wenn er versagt, fräst die Scheibe die Ölwanne an. Präventiv alle 150.000 km wechseln. Ölwechsel alle 10.000 km mit 5W-40, 16 Zündkerzen alle 60.000–80.000 km — dann sind 400.000 km realistisch.
Erster Sleeper-AMG — Wolf im Schafspelz, buchstäblich
306 PS V8 in einer Karosserie die nach Taxifahrt aussieht. Nur die dezenten Doppelrohre verraten den V8 — auf dem Parkplatz unsichtbar, auf der Autobahn jenseits von 250 km/h. Das samtige Brabbeln deutet auf mehr Potenz hin als die Karosserie zeigt. 410 Nm ab niedrigen Drehzahlen machen den Unterschied zum Kompressor-Vierzylinder brutal spürbar. Rostschutz am W202 Pflicht.
Motor-Schwachstellen 10
Der Gummidämpfer in der Kurbelwellen-Riemenscheibe verhärtet altersbedingt und kann die Ölwanne anfressen — katastrophaler Folgeschaden. Präventiver Wechsel alle 150.000 km dringend empfohlen.
Symptome: Ungewöhnliche Vibrationen im Leerlauf, im schlimmsten Fall metallisches Schleifen von unten. Oft kein Vorwarnsymptom — plötzlicher Schaden.
Der hintere Simmerring ist bei nahezu allen M113 ab 150.000 km undicht. Getriebeausbau erforderlich — 600–900 € Werkstattkosten. Wenn Öl in den Drehmomentwandler kriecht, wird es teuer.
Symptome: Öltropfen oder Ölfilm am Übergang Motor–Getriebe sichtbar, Ölverlust ohne erkennbare andere Leckstelle am Motor.
Motorlager fallen teils schon unter 100.000 km aus. Praxistest: Finger zwischen Stabilisator und vordere Ölwanne — kein Platz mehr bedeutet Motorlager tot. Ohne Ausbau nicht sichtbar prüfbar.
Symptome: Vibrationen im Innenraum besonders im Leerlauf, dumpfes Brummen beim Anfahren, im schlimmsten Fall Kontakt zwischen Motor und Karosserie.
Defekter Thermostat führt zu dauerhaft zu niedrigem Motortemperatur (erhöhter Verschleiß) oder Überhitzung im Stau. Teil kostet 24 € — bei Verdacht sofort tauschen, nicht warten.
Symptome: Temperaturanzeige dauerhaft unter Mitte (Thermostat öffnet zu früh) oder Motor überhitzt im Stau (Thermostat klemmt geschlossen).
Der vordere Simmerring wird mit zunehmendem Alter hart. Zugänglicher als der hintere, aber Riemenscheibenschraube ist Einwegteil. Öl auf dem Keilriemen beschädigt diesen zusätzlich.
Symptome: Ölfilm auf der Unterseite des Riementriebs, Öl auf dem Keilriemen sichtbar.
Beide Ventildeckeldichtungen werden mit dem Alter hart und lassen Öl durch. Günstige Teile (je 18 €), aber Vorsicht: Aluschrauben am Ventildeckel — kein Drehmomentüberschuss, sonst Gewinde kaputt.
Symptome: Ölgeruch im Motorraum, sichtbarer Ölfilm am unteren Ventildeckelrand, Rauchentwicklung wenn Öl auf den Abgaskrümmer tropft.
Die PCV-Schläuche verspröden und reißen. Führt zu Druckanstieg im Kurbelgehäuse, erhöhtem Ölverbrauch und Falschluft. Alle Schläuche zusammen unter 31 € — lohnt sich als Set zu tauschen.
Symptome: Erhöhter Ölverbrauch ohne sichtbare Leckage, weißer Rauch aus dem Auspuff, Leerlaufschwankungen durch Falschluft.
Die O-Ring-Dichtungen am Ölfiltergehäuse und Ölkühleranschluss werden hart und siffen Öl. Klassische Alterungserscheinung, günstig zu beheben wenn früh erkannt — alle drei Dichtungen unter 30 €.
Symptome: Ölfilm am Ölfilterbereich, Tropfen unter dem Fahrzeug im vorderen Motorbereich.
Die Schrauben der Ansaugkanalumschaltung lockern sich. Können nicht herausfallen, führen aber zu Geräuschen und Funktionsstörung. Empfehlung: Ansaugtrakt abbauen, reinigen, Schrauben mit Loctite sichern.
Symptome: Klackern oder Rasseln aus dem Ansaugbereich, unregelmäßiges Ansprechverhalten, leichter Leistungsabfall bei bestimmten Drehzahlen.
Die 16 Original-Einspritzdüsen (schwarz) verschleißen bei hohem km-Stand. Mercedes hat überarbeitete blaue Düsen aufgelegt. Dichtringe der Düsen können undicht werden und Kraftstoff ins Öl lassen.
Symptome: Erhöhter Kraftstoffverbrauch, Leerlaufschwankungen, Benzingeruch am Ölmessstab durch undichte Dichtringe.
Fahrzeug-Schwachstellen 7
Vordere Federbeinaufnahmen korrodieren und können von der Karosserie wegbrechen. Sicherheitskritisches Versagen — betroffene Teile werden genietet.
W202 neigt stark zu Durchrostung an Schwellern, Radläufen und Türunterkanten. Fehlende Werksversiegelung bis 1997 beschleunigt Korrosion. Federbeindom-Rost sicherheitsrelevant.
Vordere Querlenker sammeln Wasser in Hohlräumen. Verstopfte Ablauföffnungen führen zu Innenrost. Im Extremfall kann das Rad sich vom Querlenker lösen — sicherheitskritisch.
Rost an Türkanten, Schwellern, Radläufen und unter den Türdichtungen. Fehlerhafter Grundierbad-Prozess begünstigte frühe Rostbildung. Erste Baujahre besonders betroffen.
Gummibuchsen der Querlenker an der Vorderachse verschleißen und schlagen aus. Stabilisatoraufnahme verschleißt auffällig schnell.
Kabelbrüche betreffen elektrische Sitze und Lenkstockschalter. Typisches Alterungsproblem durch spröde Kabelisolierungen.
Fensterheber-Steuergeräte fallen durch Wassereintritt aus. SAM-Modul steuert Beleuchtung und Scheibenwischer — Ausfälle typisch bei älteren W202.
Berichte & Tests
Der W202 zeigt als Fahrzeug im Rentenalter altersgerechte Mängelquoten, die knapp über dem Durchschnitt liegen.