Mercedes-Benz ML 420 CDI
Nachfolger des OM628, ab 2005 mit überarbeiteter Common-Rail-Einspritzung bei 1.600 bar und Piezo-Injektoren. Die Leistungsausbeute stieg auf bis zu 320 PS bei 730 Nm — das Getriebe kam dabei früh an seine Grenzen, weshalb Mercedes die NAG2-Abstimmung in der Serienproduktion nachjustieren musste. Mechanisch teilt der OM629 die meisten Herausforderungen mit seinem Vorgänger, addiert aber eigene: Der Ölkühler im V-Bereich neigt bei hohen Laufleistungen zu Undichtigkeiten und fördert zusätzlich die AGR-Verkokung der Ansaugwege. Die Zylinderköpfe geraten bei hochdrehzahlig abgeforderten Volllastmomenten unter extremen Druck — verzogene Köpfe sind bei Fahrzeugen jenseits 200.000 km keine Seltenheit. Piezo-Injektoren verlangen einwandfreien Kraftstoff und kurze Ölwechselintervalle (10.000 km, 229.51 oder 229.52). Wer diesen Motor übernimmt, sollte Ölkühler und Simmerring als Präventivmassnahme frühzeitig einplanen.
Vernünftiger V8-Diesel-SUV für Vielfahrer
Der ML 420 CDI transportiert viel, zieht gut und ist auf der Autobahn entspannt — aber er bleibt primär Nutzfahrzeug mit Premiumanspruch. Wer einen SUV mit V8-Diesel sucht, findet hier ein solides Exemplar, wenn die Wartungshistorie stimmt.
Motor-Schwachstellen 6
Verzogene Zylinderköpfe lassen Verbrennungsgase ins Kühlsystem. Überdruck drückt Kühlmittel permanent über den Ausgleichsbehälter. Motor läuft auf Temperatur, Kühlmittelstand sinkt stetig — Austausch kostet 5.000–16.000 €.
Symptome: Kühlmittelwarnleuchte trotz stabiler Motortemperatur, Kühlmittelüberlauf am Ausgleichsbehälter, keine sichtbare externe Leckage.
Das NAG2-Automatikgetriebe ist für ca. 700 Nm ausgelegt, der OM629 liefert bis 730 Nm. Frühe Baujahre ohne Schaltmodulanpassung zeigten Antriebswellenbrueche und Getriebeprobleme. Spaeter ueberarbeitet.
Symptome: Schaltrucken, Getriebefehlermeldungen, Schaltaussetzer, Vibration beim Anfahren.
Ölkühler sitzt an der tiefsten Stelle im V-Bereich des Motors und dichtet mit Gummidichtungen ab. Bei hohen Laufleistungen schwitzt Öl aus, sammelt sich im V und tropft nach unten. Reparatur dauert ca. 2 Tage.
Symptome: Ölflecken unter dem Fahrzeug, Ölnebel im Motorraum im V-Bereich, Ölverbrauch erhöht.
Hinterer Kurbelwellensimmerring leckt ab ca. 200.000 km. Getriebe muss vollständig ausgebaut werden — erheblicher Arbeitsaufwand. Gleichzeitig Ölkühler mitprüfen und Dichtungen präventiv tauschen.
Symptome: Ölpfütze unter Fahrzeug mittig, Ölfilm zwischen Motor und Getriebe, Ölverlust ohne erkennbare externe Quelle.
Ansaugbrücke und Einlasskanäle verruessen durch AGR-Rückführung erheblich. Motoröl aus dem V-Bereich fördert Verkokung. Bei der Ölkühler-Reparatur ist gleichzeitige Ansaugreinigung Pflicht.
Symptome: Schleichender Leistungsverlust, erhöhter Kraftstoffverbrauch, gelegentliches Ruckeln unter Last.
Der OM629 nutzt Piezo-Injektoren bei 1.600 bar Einspritzdruck — wartungsintensive Hochpräzisionstechnik. Bei unregelmässigem Service oder Kraftstoffverunreinigung verschleissen Injektoren vorzeitig.
Symptome: Unruhiger Motorlauf, Ruckeln im Kaltbetrieb, Fehlzündungsgeräusche, schwarzer Rauch.
Fahrzeug-Schwachstellen 7
Wasser dringt durch defekte Heckleuchten-Dichtungen ein und beschädigt das hintere SAM-Modul. Betroffen sind hauptsächlich Vor-Facelift-Modelle bis 2008.
Die Airmatic-Luftfederbeine werden undicht, besonders bei bestimmten Einstellhöhen. Der Kompressor pumpt dauerhaft nach und verbrennt schließlich.
Das Getriebesteuergerät der 7G-Tronic entwickelt mit zunehmender Laufleistung Fehler. Gangeinlegung nicht möglich, Notlaufprogramm-Aktivierung.
Aluminiumschrauben am Lenkgetriebe korrodieren durch Streusalz. Beim Bruch aller drei Schrauben fällt die Servolenkung vollständig aus. KBA-Rückruf 012425.
Druckluftbehälter, Kompressor und Luftfederbälge sind hochanfällig. Fahrzeug sackt einseitig oder komplett ab. Reparaturkosten durch teure Originalteile und hohe Werkstattlöhne sehr hoch.
Bremsleitungen unter der Hinterachse anfällig für Korrosion, besonders in salzreichen Regionen. Leitungshalterungen begünstigen Feuchtigkeitsansammlung. Tausch erfordert Absenken der Hinterachse.
Das hintere SAM fällt aus wenn Wasser durch Heckleuchten eindringt. Folge: Ausfall von Beleuchtung, Scheibenwischer und Anzeigen. Besonders Vorserienmodelle bis 2008 betroffen.
Berichte & Tests
Der ML der zweiten Generation liegt bei der Hauptuntersuchung im Mittelfeld der SUV-Klasse.
Pannenhäufigkeit im Mittelfeld für große SUV, elektrische Defekte dominieren das Pannenbild.