Porsche Carrera 2
Der M64.01 ist der Übergangsmotor par excellence: 3,6 Liter, 184 kW, erster 911-Motor weltweit in identischer Spezifikation für alle Märkte. Neue Zylinderköpfe, geänderte Nockenwellen, Doppelzündung — mehr als ein aufgebohrter 3.2er. Klanglich kultivierter als der 930.20: satter, runder im Drehmoment, weniger rau im Leerlauf. Den Urcharakter verliert er dabei nicht — der Boxer ist unverkennbar, nur erwachsener geworden. Kritischstes Thema der frühen 964er (1990–Mitte 1992): das Zweimassen-Schwungrad von Freudenberg. Baut intern Spiel auf und fällt oft zwischen 25.000 und 50.000 km aus — mit Geräuschen, die einem Pleuellager erschreckend ähneln. Ab Mitte 1992 das bewährte LUK-Schwungrad, das langlebig ist. Kaufregel: entweder ab Mitte 1992 oder Nachweis, dass Freudenberg gegen LUK getauscht wurde. Ölundichtigkeiten sind alterstypisch — Feuchtigkeit an Ventildeckeln und Kettenkasten ist kein Alarm, Tropfen sind es.
Der reinste 964 — Hinterrad, Handschalter, Charakter
Der 964 Carrera 2 mit Handschalter ist der sweet spot der luftgekühlten Mittelklasse: moderner als das G-Modell (ABS, Servolenkung), noch ohne die Komplexität des 993. Hinterradantrieb macht ihn spielerischer als den Carrera 4, das geringere Gewicht lässt ihn lebendiger wirken. Der 3.6-Sauger gibt alles ab 3.500 U/min und klingt nach echter Porsche-DNA. Das Heck ist wach aber kontrollierbar — hier lernt man Fahren. Baujahre ab Mitte 1992 bevorzugen (LUK-Schwungrad). Bestes Preis-Erlebnis-Verhältnis im luftgekühlten 911-Universum.
Motor-Schwachstellen 8
Alter, Thermostress und Loctite-Verklebung machen Bolzen spröde. Bei Bruch entweichen heiße Abgase und beschädigen Zylinderkopf und Zylinderbuchse dauerhaft. Motorrevision 8.000–15.000 €.
Symptome: Leistungsabfall in einzelnen Zylindern; Kompressionsverlust; Abgasgeruch bei Betrieb; oft nur bei Ventildeckelöffnung erkennbar.
Die Hochdruckleitungen vom Thermostatgehäuse zum Ölfiltergehäuse werden durch Alter und Korrosion brüchig. Bei Platzen unter Fahrt entleert die Ölpumpe den Tank in Sekunden — Motorschaden. Präventiver Austausch dringend empfohlen.
Symptome: Ölflecken im rechten Radkasten; sichtbare Korrosion an Schlauch-Quetschhülsen; plötzlicher Öldruckabfall-Alarm während Fahrt.
Bei hohen Laufleistungen rasseln die Kettenspanner beim Kaltstart bis der Öldruck aufgebaut ist. Verschlissene Spanner lassen sich mit zwei Fingern eindrücken. Kettentausch erfordert komplette Motorzerlegung.
Symptome: Metallisches Rasseln für 2–5 Sekunden beim Kaltstart; Geräusch klingt nach Betriebstemperatur ab. Bei starkem Verschleiß auch im Warmbetrieb.
Bei hohen Laufleistungen verschleißen Kolbenringe und Zylinderlaufbahnen. Alle Kolbenringe können gebrochen sein, Kolben mit Brandspuren. Motorkomplettrevision erforderlich.
Symptome: Blauer Rauch unter Last und beim Gaswegnehmen; Ölverbrauch über 0,5 L/1.000 km; Leistungsverlust durch Kompressionsverlust.
Die O-Ring-Dichtungen an den Zylinderfüßen verhärten altersbedingt und werden undicht. Öl sammelt sich am Aluminium-Gebläsekasten unterhalb der Zylinder. Frühe 964 (bis ca. 1991) haben kein Nutensystem — aufwendige Nachrüstlösung nötig.
Symptome: Ölflecken unter dem Fahrzeug mittig-hinten; Öl an Aluminium-Kanalteilen unterhalb der Zylinder sichtbar; Ölgeruch nach Fahrt.
Die beiden Relais im DME-Steuergerät (Kraftstoffpumpe + Motronic) sind dauerhaft bestromt und sterben durch Wärmebelastung. Pannen-Ursache Nr. 1 beim 964. Günstige Reparatur, aber unangenehm wenn unterwegs.
Symptome: Motor dreht mit Anlasser, springt aber nicht an; kein Kraftstoffpumpen-Geräusch nach Einschalten der Zündung.
Das Freudenberg-ZMS (1990–1992) mit Gummidämpfung versagt durch Überhitzung; die Gummischicht löst sich ab. Ab 1993 robusteres LUK-System mit Stahlfederdämpfung. Betroffene Fahrzeuge benötigen ZMS-Tausch.
Symptome: Ratter- und Knirschgeräusche im Leerlauf; starke Vibrationen bei niedrigen Drehzahlen; Schaltprobleme.
Die Magnesiumbeschichtung der unteren Ventildeckel platzt ab und gibt Öl frei. Neue Aluminiumdeckel ohne diese Beschichtung als Ersatz erhältlich. Reparatursatz ca. 299 €.
Symptome: Öltropfen nach längerer Standzeit; Ölfilm an Motorunterseite; Ölgeruch nach Fahrt. Beschichtungspartikel im Öl möglich.
Fahrzeug-Schwachstellen 8
Besonders bei Cabriolet und Targa: Schweißnähte des Übergangs Windschutzscheibe zu Rahmen rosten durch Chassis-Verwindung. Reparatur erfordert Scheibenausbau.
ABS-Steuergerät im Kofferraum. Steckerverbindungen korrodieren durch Feuchtigkeit. Ausfall kostet bis 4.000 €. Präventives Reinigen der Stecker empfohlen.
Der Motorraumkabelbaum des 964 ist altersbedingt spröde. Isolationen reißen bei Berührung. Reparaturen früherer Eigentümer durch ungeeignete Verbindungen erhöhen Kurzschluss- und Brandgefahr.
Gummilager der Vorderachs-Querlenker verschleißen nach ca. 80.000 km. Vollständiger Querlenkeraustausch nötig — Lager nicht separat pressbar.
Das Lenkgetriebe des 964 (erste Servolenkung im 911) leckt an Wellendichtringen und O-Ringen. Austausch des Lenkgetriebes kostet 1.000–3.000 € je nach Teilequalität.
Synchronringe im G50-Getriebe verschleißen bei hartem Schalten. Typisches Symptom: Kratzen beim Einlegen kalter Gänge. G50 gilt ansonsten als wartungsarm bei korrektem Ölstand.
Auslaufende Batteriesäure greift den Batterieträger im Kofferraum an. Korrosion breitet sich unter Verkleidungen aus und kann in tragende Bereiche vordringen.
Mechanische Klappen an Wärmetauscher-Ausgängen klemmen nach Jahren. Defekte Kabelzüge führen zu einseitigem Ausfall der Warmluft. Abgasgeruch bei undichten Wärmetauschern.