Porsche Carrera RS
Der M64.03 ist der sorgfältig aufbereitete RS-Boxer des 964: selber 3,6-Liter-Hubraum, aber mit handverlesenen Kolben-Zylinder-Paarungen, neu abgestimmter Bosch-Motronic (98 Oktan), fester Gummimotoraufhängung statt hydraulischer Lager und einer 7 kg leichteren Einmassenschwungscheibe. 191 kW statt 184 kW — aber wichtiger: die Drehfreude steigt spürbar, der Motor fühlt sich direkter und lebendiger an. Trockensumpfschmierung serienmäßig. Klanglich näher am rauen 930.20-Charakter als der Standard-964 — weniger kultiviert, dafür ausdrucksstärker. Nur rund 2.282 Tourings und ~100 Sport-Varianten gebaut. Die meisten RS wurden gut gepflegt, aber durch Renneinsatz auch belastet — Motorhistorie ist entscheidend. Ersatzteile rar und teuer.
Leichtbau-Absolutismus — keine Kompromisse
Der 964 Carrera RS ist Porsche-Philosophie pur: weglassen was nicht nötig ist, optimieren was bleibt. Dünneres Glas, keine Rücksitze, 7 kg leichteres Schwungrad, handgepaartes Motor-Innenleben. Der Motor dreht williger, das Auto reagiert direkter, jede Eingabe kommt ungefiltert. Im Vergleich zum Standard-Carrera 2 fühlt sich der RS wie ein anderes Auto an — schärfer, fokussierter, ehrlicher. Eine der seltensten Fahrmaschinen der luftgekühlten Ära. Wer eines findet, muss die Motorhistorie penibel prüfen.
Motor-Schwachstellen 7
Alter, Thermostress und Loctite-Verklebung machen Bolzen spröde. Bei Bruch entweichen heiße Abgase und beschädigen Zylinderkopf und Zylinderbuchse dauerhaft. Motorrevision 8.000–15.000 €.
Symptome: Leistungsabfall in einzelnen Zylindern; Kompressionsverlust; Abgasgeruch bei Betrieb; oft nur bei Ventildeckelöffnung erkennbar.
Die Hochdruckleitungen vom Thermostatgehäuse zum Ölfiltergehäuse werden durch Alter und Korrosion brüchig. Bei Platzen unter Fahrt entleert die Ölpumpe den Tank in Sekunden — Motorschaden. Präventiver Austausch dringend empfohlen.
Symptome: Ölflecken im rechten Radkasten; sichtbare Korrosion an Schlauch-Quetschhülsen; plötzlicher Öldruckabfall-Alarm während Fahrt.
Bei hohen Laufleistungen rasseln die Kettenspanner beim Kaltstart bis der Öldruck aufgebaut ist. Verschlissene Spanner lassen sich mit zwei Fingern eindrücken. Kettentausch erfordert komplette Motorzerlegung.
Symptome: Metallisches Rasseln für 2–5 Sekunden beim Kaltstart; Geräusch klingt nach Betriebstemperatur ab. Bei starkem Verschleiß auch im Warmbetrieb.
Geschmiedete RS-Kolben sind haltbarer, aber bei hohen Laufleistungen verschleißen auch hier die Ringe. RS-Motoren wurden meist besser gepflegt — Problem seltener als beim Standard-M64.
Symptome: Blauer Rauch unter Last; Ölverbrauch erhöht; Kompressionsverlust.
Die O-Ring-Dichtungen an den Zylinderfüßen verhärten altersbedingt und werden undicht. Öl sammelt sich am Aluminium-Gebläsekasten unterhalb der Zylinder. Frühe 964 (bis ca. 1991) haben kein Nutensystem — aufwendige Nachrüstlösung nötig.
Symptome: Ölflecken unter dem Fahrzeug mittig-hinten; Öl an Aluminium-Kanalteilen unterhalb der Zylinder sichtbar; Ölgeruch nach Fahrt.
Die beiden Relais im DME-Steuergerät (Kraftstoffpumpe + Motronic) sind dauerhaft bestromt und sterben durch Wärmebelastung. Pannen-Ursache Nr. 1 beim 964. Günstige Reparatur, aber unangenehm wenn unterwegs.
Symptome: Motor dreht mit Anlasser, springt aber nicht an; kein Kraftstoffpumpen-Geräusch nach Einschalten der Zündung.
Identisches Problem wie beim M64.01 — Magnesiumbeschichtung der unteren Ventildeckel platzt ab.
Symptome: Öltropfen nach Standzeit; Ölfilm an Motorunterseite.
Fahrzeug-Schwachstellen 8
Besonders bei Cabriolet und Targa: Schweißnähte des Übergangs Windschutzscheibe zu Rahmen rosten durch Chassis-Verwindung. Reparatur erfordert Scheibenausbau.
ABS-Steuergerät im Kofferraum. Steckerverbindungen korrodieren durch Feuchtigkeit. Ausfall kostet bis 4.000 €. Präventives Reinigen der Stecker empfohlen.
Der Motorraumkabelbaum des 964 ist altersbedingt spröde. Isolationen reißen bei Berührung. Reparaturen früherer Eigentümer durch ungeeignete Verbindungen erhöhen Kurzschluss- und Brandgefahr.
Gummilager der Vorderachs-Querlenker verschleißen nach ca. 80.000 km. Vollständiger Querlenkeraustausch nötig — Lager nicht separat pressbar.
Das Lenkgetriebe des 964 (erste Servolenkung im 911) leckt an Wellendichtringen und O-Ringen. Austausch des Lenkgetriebes kostet 1.000–3.000 € je nach Teilequalität.
Synchronringe im G50-Getriebe verschleißen bei hartem Schalten. Typisches Symptom: Kratzen beim Einlegen kalter Gänge. G50 gilt ansonsten als wartungsarm bei korrektem Ölstand.
Auslaufende Batteriesäure greift den Batterieträger im Kofferraum an. Korrosion breitet sich unter Verkleidungen aus und kann in tragende Bereiche vordringen.
Mechanische Klappen an Wärmetauscher-Ausgängen klemmen nach Jahren. Defekte Kabelzüge führen zu einseitigem Ausfall der Warmluft. Abgasgeruch bei undichten Wärmetauschern.