Porsche 911
Der 930.20 ist das luftgekühlte Boxer-Erlebnis in Reinform — und der ausgereifteste Motor des G-Modells. 3,2 Liter, Bosch-Motronic-Einspritzung, 170 kW bei 5.900 U/min. Klanglich unvergleichlich: im Leerlauf ein trockenes Tackern, ab 3.500 ein kehlig-metallisches Orgeln, das mit keinem wassergekühlten Motor verwechselt werden kann. Die Motronic war ein echter Fortschritt gegenüber dem K-Jetronic der SC-Generation — präziserer Kaltstart, bessere Emissionen, gleichmäßigere Leistungsabgabe. Trotzdem bleibt der Charakter: direktes, fast rohes Ansprechverhalten, das moderne Motoren nie hatten. Thermisch anspruchsvoller als er aussieht — Kurzstrecke, Stau und Stadtbetrieb sind Gift für Kopfdichtungen und Ventile. Dieser Motor will regelmäßig warmgefahren und hochgedreht werden. Wer das Öl regelmäßig wechselt und das Ventilspiel im Blick behält, hat einen der langlebigsten Sportwagenmotoren der 80er vor sich.
Luftgekühlt, offen, unvergesslich
Den Boxer direkt hinter dem Kopf zu hören — das Tackern im Leerlauf, das metallische Crescendo beim Hochdrehen — ohne Dach dazwischen: akustisch unübertroffen. Das Cabriolet ist weicher als das Coupé, aber auf der Landstraße spielt das keine Rolle. Hier geht es nicht um Steifigkeit, sondern um das Erlebnis. Späte Baujahre 1987–1989 bevorzugen.
Motor-Schwachstellen 8
Durch Materialalterung und Temperaturwechsel werden die Stehbolzen der Zylinder spröde und reißen. Heiße Abgase treten zwischen Kopf und Zylinder aus und beschädigen Aluminium-Bauteile.
Symptome: Kompressionsverlust in einzelnen Zylindern, Leistungsverlust, Abgasgeruch im Motorraum, unrunder Motorlauf.
Die hydraulischen Kettenspanner dichten mit O-Ringen ab, die altersbedingt porös werden. Ölverlust im Spanner führt zu Kettenrasseln und bei Nichtbehebung zu Überspringen der Kette mit Motorschaden.
Symptome: Metallisches Rasseln nach Kaltstart für 2–5 Sekunden bis Öldruck aufgebaut; bei fortgeschrittenem Verschleiß Dauerrasseln.
Der Hallgeber im Zündverteiler fällt ohne Vorwarnung aus — Motor zündungslos. Nicht mehr als Einzelteil lieferbar — Ersatz erfordert kompletten Verteiler (700 €+) oder spezialisierte Aufarbeitung.
Symptome: Motor stirbt plötzlich während der Fahrt ab; springt nicht wieder an; kein Funken an den Kerzen trotz neuer Zündspule.
Gehärtete Ventilschaftdichtungen verursachen Ölverbrauch bis 2 L/1.000 km. Motor muss ausgebaut werden. Typisch bei älteren Einheiten, die selten bewegt wurden.
Symptome: Blauer Rauch beim Kaltstart und bei Lastwechseln; Rauch beim Gaswegnehmen im Schubbetrieb. Ölverbrauch deutlich erhöht.
Der Bosch-Luftmengenmesser nutzt ein Potentiometer mit Keramikträger. Der Schleifer reibt die Leitschicht ab; Ergebnis sind Aussetzer, Leistungsverlust und schlechtes Ansprechverhalten.
Symptome: Motoraussetzer, schlechtes Ansprechen auf Gas, klopfende Geräusche, unrunder Leerlauf, gelegentliches Absterben.
Die Dichtung des Kettenkastens verhärtet und beginnt zu lecken. Öl läuft an der Zylinder-Rückseite entlang. Separates Problem von den Ventilschaftdichtungen — tritt häufig gemeinsam mit anderen Öllecks auf.
Symptome: Öltropfen mittig-hinten unter dem Fahrzeug nach dem Abstellen; Ölfilm an Gebläsekasten; Ölgeruch nach Fahrt.
Ölleitungen zwischen Tank, Thermostat und vorderem Ölkühler werden durch Kontaktkorrosion (Stahl/Alu) festgefressen. Leitungen können beim Lösen brechen. Präventiver Tausch nach 20+ Jahren empfohlen.
Symptome: Öltropfen im Bereich des hinteren Radhauses; Überwurfmuttern nicht lösbar; Thermostatgehäuse gerissen bei Demontageversuch.
Der hydraulische Kupplungszylinder dichtet mit gealtertem Gummi ab. Bremsflüssigkeit leckt, Luft tritt ins System. Betrifft Carrera 3.2 ab 1987 mit G50-Getriebe (vorher 915-Trockenkupplung).
Symptome: Kein Gang einlegbar bei laufendem Motor; weiches oder durchgehendes Kupplungspedal; sinkender Bremsflüssigkeitsstand.
Fahrzeug-Schwachstellen 9
Ab 1981 vollverzinkt, aber Schweller-Verbindungsblech verrottet von innen durch eingedrungene Feuchtigkeit. Bodenbleche und Rahmenlängsträger ebenfalls betroffen. Reparatur sehr aufwendig.
Neuralgische Punkte: Vorderkotflügel an Scheinwerfergehäusen, hintere Kotflügel an Rückleuchten sowie B-Säule im unteren Rundungsbereich. Rost beginnt von innen durch Feuchtigkeit aus dem Radkasten.
Kabelisolierungen im Motorraum verspröden nach 35+ Jahren. Improvisierte Reparaturen durch frühere Motortausche kumulieren sich. Kurzschlüsse und Brandgefahr möglich.
Gummilager der Querlenker sind nach Jahrzehnten ausgehärtet und gerissen. Folge: Spurungenauigkeit und erhöhter Reifenverschleiß. Polyurethan-Lager als Upgrade verfügbar.
Der Regler mit Kohlebürsten versagt durch Wärme und Alter. Defekte Dioden verursachen Überladung bis 17 V, was Bordelektronik und Batterie beschädigt.
Die Stahl-Wärmetauscher rosten von innen und außen. Undichte Wärmetauscher leiten Abgase in den Fahrzeuginnenraum — ein Sicherheitsproblem. Edelstahlersatz empfohlen.
Blei-Sulfat-Ablagerungen und Batteriesäure zerfressen den Batterieträger und das darunterliegende Tankauflagen-Blech. Korrosion verläuft unsichtbar zwischen den Blechlagen.
Die Messinglagerbuchsen in den Türscharnieren verschleißen. Türen hängen und schließen schlecht. Buchsen müssen mit Übermaß eingepresst und gerieben werden.
Kunststoffbuchsen im Schaltgestänge des 915-Getriebes verschleißen — unpräziser Schalthebel. Erneuerung über Wartungsöffnung im Innenraum möglich, ohne Getriebeausbau.